Kurzmitteilung

Tag gerettet

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Diese Bus fahre Arbon?

Ich stehe vor dem Bus und warte, bis es Zeit ist für die Abfahrt nach Arbon. Ein Passant grüsst freundlich, ich grüsse zurück.

Passant, schon weitergegangen, kehrt um und fragt (mit starkem ausländischem Akzent): «Entschuldigung, diese Bus fahre Arbon?»

Ich (mit Kontrollblick, ob mein Bus auch richtig angeschrieben ist, zurückfragend): «Ja…?»

Passant (bedauernd): «Ich leider nicht Arbon»

Schallendes Gelächter, High Five.

Passant geht weiter, gute Laune bleibt.

Video

Idioten im Strassenverkehr: „The Punisher“ bestraft sie alle

Einen eigenen Weg, mit rücksichtslosen und gefährlichen Partnern im Strassenverkehr umzugehen, hat Alexei Volkov aus Selenograd/Russland, Übername „The Punisher“, entwickelt: Wenn ihm einer schikanös vor den Bus fährt, bremst er einfach nicht. Er soll auf diese Weise bereits in mehr als 100 Unfälle verwickelt gewesen sein und wurde – angeblich – vor Gericht noch für keinen Unfall schuldig gesprochen.

Auch wenn diese Art von Selbstjustiz fragwürdig ist und vor Schweizer Gerichten ohnehin nicht praktikabel, seine Videos auf Youtube sind in einschlägigen Kreisen Kult. Hier ein paar meiner Lieblings-Crashes:

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Gefährliche Rücksichtslosigkeit

„Ein Autofahrer hat in der Münchner Innenstadt einen [Linienbus] zur Vollbremsung gezwungen. Das hatte Folgen: Vier Schüler wurden verletzt, ein Mädchen stürzte durch eine Glastrennscheibe“, ist in einer Zeitungsmeldung aus München nachzulesen.

Man sollte das Wort „Idiot“ im Strassenverkehr zurückhaltend verwenden, weil man aus der Perspektive anderer Verkehrsteilnehmer jederzeit selber ein solcher sein kann. In diesem Fall ist der Term aber vollkommen abgebracht. Der Täter ist flüchtig – es ist zu hoffen, dass sie ihn bald erwischen.

Das Erlebnis kommt mir (und wohl den meisten Busfahrern) bekannt vor. Der Velofahrer, der mir vor einiger Zeit ebenso lebensgefährlich vor den Bus fuhr und mich zu einer brüsken Bremsung zwang, (wenn auch im Gegensatz zum Autofahrer in München ohne böswillige Absicht) fuhr damals weiter, als ob nichts passiert wäre. Gut möglich, dass er den Vorfall nicht mal bemerkt hatte. Bei mir gings damals zum Glück glimpflicher aus als gestern in München.

Bild

Schweizer Fahrplanspräzision

Gestern stand ich mit dem Bus am Bahnhof und wartete auf meine Abfahrt um 19:15 Uhr, als mich folgende Verspätungsmeldung erreichte:

19:15:01

Ich werde also instruiert, mit der Abfahrt eine Sekunde zuzuwarten, damit sicher alle umsteigenden Fahrgäste meinen Bus erreichen – so gewissenhaft sorgen sich unsere öffentlichen Verkehrsbetriebe um die Anschlüsse ihrer Kunden.

Fehlt nur noch eine entsprechende automatische Durchsage im Bus, etwa so:

Verehrte Fahrgäste
Aufgrund eines verspäteten Anschlusses ist dieser Bus mit einer Sekunde Rückstand auf den Fahrplan unterwegs. Wir bemühen uns, die Verspätung auf der Strecke wieder gutzumachen, damit Sie pünktlich Ihr Ziel erreichen. Wir danken Ihnen für Ihr Verständnis und wünschen Ihnen weiterhin eine gute Fahrt.

🙂

 

 

 

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Busfahrer mit Herz

Über Watson News bin ich auf die Geschichte dieses Busfahrers gestossen, der in Schweden zum Helden wurde.

 

Es braucht Mut, einen vollen Bus stehen zu lassen, um ein kleines Mädchen am Strassenrand zu trösten. Zumindest die schwedischen Busreisenden schienen darüber nicht verärgert gewesen zu sein. Ob das bei uns auch so wäre?

Du dämlicher Busfahrer

Gewalt

Wer einen Bus im öffentlichen Verkehr lenkt ist sich gewohnt, Zielscheibe der Projektionen seiner Kunden zu sein. Schliesslich hat die hinten sitzende oder stehende Klientel ausreichend Zeit, den Fahrstil und Charakter ihres Chauffeurs zu studieren. Wenn dann dem Fahrgast der Fahrstil zu ruppig oder der Fahrer unsympathisch ist, bieten heute Soziale Medien die Gelegenheit zur Instant-Psychohygiene:

Andere greifen zu humorvoll-subtilen Äusserungen um dem Fahrer via Twitter mitzuteilen, dass er sich doch bitte etwas beeilen soll:

Und dann gibts die, die so verärgert sind, dass sie sich hinsetzen und dem Chef des Busbetriebs eine E-Mail schreiben. Das liest sich dann beispielsweise so:

Pünktlichkeit ist für euch ein verdammtes Fremdwort!!!! :-@

Wiedermal ist der letzte Bus (…) zu früh gefahren! Da hatte es die jeweilige Person am Steuer wohl eilig in den Feierabend zu kommen??! (…)

Das war nun in kuerzester Zeit das 3 oder 4 mal!
Jetzt Reichts!!

Ihr seid ein echter Lumpenverein, soviel ist schon mal sicher!

Unfreundliche Gruesse
(…)

Ich möchte nicht in Abrede stellen, dass es vorkommt, dass ein Linienbus mal zu früh an einer Haltestelle vorbeifährt. Insbesondere zu Randzeiten, wenn der Fahrplan, mit dem man in der Stosszeit mindestens 5 Minuten Verspätung hat, einem so viel Zeit gibt, als Verkehrshindernis mit 40 km/h innerorts und 60 km/h ausserorts die übrigen Verkehrsteilnehmer zu ärgern oder bei jeder 5. Haltestelle einen kurzen Halt einzulegen, um nicht zu früh unterwegs zu sein. Und 30 Sekunden zu früh ist schlimmer als 5 Minuten zu spät – insbesondere für den Fahrgast, der notorisch 5 Sekunden vor der Abfahrtszeit oder auch mal 20 Sekunden zu spät an der Haltestelle erscheint.

Am gleichen Tag, an dem die oben zitierten Zeilen in unserem Betrieb eintrafen, machte ich ohne Wissen Bekanntschaft mit dem Briefeschreiber. Wir hatten damals in unserem Busbetrieb noch die Praxis, dass die Chauffeure von allen einsteigenden Fahrgästen die Fahrkarte einzusehen hatten, selbstverständlich inklusive allfällig erforderlicher Abos. Erst vor wenigen Monaten haben wir auf Selbstkontrolle umgestellt.

Beim Einsteigen zeigte mir unser unzufriedener Kunde sein sein Abo mit dem Vermerk „Junior (1/2)“, weshalb ich mir die Bemerkung erlaubte: „Dazu müsste ich jetzt eigentlich noch ein Halbtax-Abo sehen“. Mein erst im Nachhinein erkannter Irrtum lag darin, dass er für sein Abo kein Halbtax brauchte, doch hätte ich das Recht gehabt, eine ID zu verlangen zur Kontrolle, dass er nicht älter als 25 Jahre ist. Mein Irrtum wäre insofern kein Problem gewesen, als ich ohnehin nicht beabsichtigte, irgendeinen Ausweis einzusehen, was ich auch mit der Formulierung „ich müsste jetzt eigentlich“ auszudrücken meinte.

Doch für solche Nuancen hatte mein von eiligen, unflätigen und inkompetenten Buschauffeuren geplagte Fahrgast kein Gehör. Er wurde aggressiv, beleidigend und ausfällig, und er hinderte mich an der Weiterfahrt. Als der Fahrplan immer stärker drängte, wies ich ihn nach hinten mit der zugegeben unwisch geäusserten Bemerkung, er solle sich nun bitte setzen; ich hätte für diesen Unsinn keine Zeit. Ganz sicher war ich gereizt, ganz sicher habe ich aber auch keine Fluchwörter und Beleidigungen von mir gegeben (s. unten).

Am nächsten Tag traf die nächste E-Mail des jungen Herrn ein. Bezug nehmend auf seine letzte Mail begann er:

Eigentlich wollte ich es auf sich beruhen lassen… Aaaaaber Jetzt kommts noch besser!

Der Busfahrer, der heute den 14:30 Bus gefahren ist hat mich trotz meines Streckenabos nach meinem Halbtax gefragt. (…) Als ich mich nach seinem Namen erkundigt habe, bekam ich als Antwort : “ goht sie en schissdreck ah“ … Ist das also Kundenfreundlichkeit? Schämen sollte sich dieses A…loch!

Mir egal was er dazu meint, beim naechsten versuch mich zu beleidigen antworte ich mit Gewalt! Jetzt ist das Fass voll! (…)

Dass solche Menschen ueberhaupt einen Job mit Kontakt zu Menschen ausüben dürfen ist mir ein Rätsel.

Müssen wir uns also wegen kleinster Fehler von unflätigen Fahrgästen bedrohen lassen? Ich finde nicht. Von einer Strafanzeige wegen Drohung sah ich nur wegen des mir blühenden Aufwands ab.


Solche Episoden gehören zum Glück nicht zu meinem Busfahrer-Alltag. Unsere Kundschaft ist, wie die Thurgauer es für gewöhnlich sind, überwiegend nett und geduldig. Beim Einsteigen in den Bus wird man denn auch von den meisten Fahrgästen freundlich zurückgegrüsst. Und nicht nur im Thurgau: